Etty (eigentlich Esther) Hillesum wurde am 15. Januar 1914 in Middelburg/ Niederlande geboren. Sie hat zwei kleinere Brüder, ihr Vater ist Gymnasiallehrer für klassische Sprachen und ihre Mutter eine gebürtige Russin, die auf der Flucht nach einem der vielen Pogrome in die Niederlande verschlagen wurde. Etty studierte Jura, slawische Sprachen und später noch Psychologie. Im Alter von 27 Jahren beginnt sie Tagebuch zu schreiben. Es ist März 1941. Die Niederlanden sind seit knapp einem Jahr von den Nazis besetzt. Im Februar 1941 beginnt Etty mit einer Körpertherapie bei dem Psychochirologen Dr. Julius Spier, ein Schüler Carls Gustav Jungs. Für Etty war, so heißt es, dieser Mann, den Sie in ihren Tagebüchern durchgängig nur S. nennt, der Katalysator ihrer Selbstanalyse. Wahrscheinlich fängt sie auf seinen Rat hin an, Tagebuch zu schreiben. S. und die Therapie werden zentraler Bestandteil der Einträge. Ausgehend von den wöchentlichen Treffen mit S. fängt Etty an, ihre Gefühle, Gedanken, Konflikte auf Papier zu bringen. Sie beobachtet, beschreibt, horcht, analysiert, begründet, sucht und ergründet die Welt in ihrem Inneren und die Geschehnisse im Außen. 

Im Vorwort der 24. Auflage der deutschen Übersetzung von den Tagebüchern heißt es: "Etty hat ein unbändiges Temperament, hat Humor, besitzt den Mut zu oft atemberaubender Ehrlichkeit. Trotz ihrer Geistesgaben ist sie völlig uneitel und natürlich; sie beherrscht die hohe Kunst, seelische Vorgänge differenziert ins Wort zu fassen; ihre Liebesfähigkeit scheint unerschöpflich, ist überströmend; sie überspringt die Zäune der Konventionen, geht aufs Ganze und sucht mit letzter Konsequenz nach den Quellen ihrer Existenz."